Gemeinsam für Stuttgart

25 Jahre Bürgerstiftung Stuttgart und ein Bürgerpreis, der Engagement sichtbar macht

Viele der Dinge, die eine Stadt lebenswerter machen, entstehen abseits der großen Bühne. In Nachbarschaften, Initiativen und Vereinen engagieren sich Menschen, oft ohne viel Aufmerksamkeit. Seit 25 Jahren begleitet und stärkt die Bürgerstiftung Stuttgart genau dieses Engagement. Im Jubiläumsjahr blickt sie auf ein Vierteljahrhundert bürgerschaftlichen Einsatzes zurück – und rückt mit der Verleihung des Stuttgarter Bürgerpreises erneut jene in den Mittelpunkt, die das Gemeinwesen im Alltag tragen.

Gegründet wurde die Bürgerstiftung Stuttgart im Jahr 2001 auf Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger. Der Gedanke dahinter war ebenso einfach wie wirkungsvoll: eine Stiftung von Bürgern für Bürger, unabhängig, dauerhaft und dem Gemeinwohl verpflichtet. Was damals begann, hat sich über die Jahre zu einer festen Größe in der Stadtgesellschaft entwickelt. Heute fördert die Stiftung Projekte in den Bereichen Bildung, Integration, Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe und demokratisches Miteinander –
stets mit dem Ziel, Engagement zu ermöglichen und Menschen miteinander zu verbinden.

Zum 25-jährigen Bestehen präsentiert sich die Bürgerstiftung Stuttgart mit einem neuen Erscheinungsbild und einer klaren inhaltlichen Ausrichtung auf die Zukunft. Drei Themen stehen dabei im Mittelpunkt: engagiertes Handeln, nachhaltige Entwicklung und die Stärkung demokratischer Werte. Es ist ein bewusster Blick nach vorn, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen –
und ein Signal dafür, dass bürgerschaftliches Engagement auch in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche unverzichtbar bleibt.

Ein Abend für das Ehrenamt

Ein erster sichtbarer Höhepunkt des Jubiläumsjahres war die Verleihung des 12. Stuttgarter Bürgerpreises am 5. Februar 2026. Rund 350 Gäste aus Stadtgesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik kamen im Porsche Museum Stuttgart zusammen, um ehrenamtliches Engagement zu würdigen. Durch den Abend führte Moderator Martin Hoffmann, der der Veranstaltung eine ruhige, persönliche Note verlieh.

Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung von einem besonderen Projekt: Ein Jubiläumschor, bestehend aus ehemaligen Bürgerpreisträgerinnen und -preisträgern, trat eigens für diesen Anlass zusammen. Unter der Leitung von Patrick Bopp wurde dabei nicht nur gemeinsam gesungen –
auch das Publikum war ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen. So entstand ein Abend spürbarer Verbundenheit, der die Gemeinschaft widerspiegelte, die über Jahre hinweg gewachsen ist. In seiner Ansprache betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper die Bedeutung des Ehrenamts für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Stuttgart. Gerade in einer vielfältigen Stadt sei es entscheidend, Räume für Beteiligung zu schaffen und Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Die Bürgerstiftung leiste dazu seit 25 Jahren einen unverzichtbaren Beitrag.

Preisträger, die den Unterschied machen

Aus insgesamt 50 Bewerbungen wählte eine unabhängige Jury drei Projekte aus, die mit dem Stuttgarter Bürgerpreis 2026 ausgezeichnet wurden. Sie stehen exemplarisch für die Vielfalt ehrenamtlichen Engagements in Stuttgart – und für die Wirkung, die entsteht, wenn Menschen sich mit Ausdauer und Überzeugung für andere einsetzen. Die Stuttgarter Elterngruppe des Vereins Mein Herz lacht schafft Begegnungsräume für Eltern und Familien mit beeinträchtigten Kindern. In einem oft belasteten Alltag bietet das Projekt Austausch, Unterstützung und Gemeinschaft. Mit „Gegen das Vergessen – Erinnern für das Morgen“ zeichnete die Jury ein Projekt des Vereins LOKSTOFF! aus, das sich mit Erinnerungskultur auseinandersetzt. In künstlerischen und pädagogischen Formaten wird Geschichte greifbar gemacht und in die Gegenwart übersetzt. Gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Debatten erhält diese Arbeit eine besondere Relevanz: Sie sensibilisiert, regt zum Nachdenken an und fördert einen respektvollen Umgang miteinander. Das dritte ausgezeichnete Projekt, das „Neckarbädle“, existiert bisher nur auf dem Papier und ist in Planung. Als offener Treffpunkt am Wasser soll es Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe zusammen-
bringen. Hier geht es um die Idee von Begegnung, gemeinsames Erleben und die Rückeroberung öffentlicher Räume. Der Betrieb des Badeschiffes soll zum Teil auch mit Ehrenamtlichen umgesetzt werden. 

Publikumspreis: Nähe, Sprache und Vertrauen

Neben den Jurypreisen spielt der Publikumspreis eine besondere Rolle. Über eine Online-Abstimmung konnten die Stuttgarterinnen und Stuttgarter selbst entscheiden, welches Projekt sie auszeichnen möchten. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ging an „Lese-Heimat Stuttgart – Leseohren e.V.“.

Das Projekt bringt ehrenamtliche Vorlesepatinnen und -paten und Kinder mit Fluchterfahrung zusammen. In Schulen, Bibliotheken und Unterkünften entstehen so Begegnungen, die weit über das Vorlesen hinausgehen. Sprache wird zur Brücke, Vertrauen wächst, und Integration findet im Alltag statt. Für viele Kinder ist es der erste selbstverständliche Zugang zu Geschichten, Bildung und Zugehörigkeit. Auch weitere Initiativen erzielten bei der Publikumswahl große Resonanz, darunter Projekte zur Leseförderung für Frauen und Mädchen sowie Angebote, die Inklusion und Barrierefreiheit in sensiblen Bereichen wie der Hospizarbeit voranbringen. Sie alle zeigen, wie breit das Engagement in Stuttgart aufgestellt ist.

Anerkennung über Projekte hinaus

Ein besonderes Zeichen setzte die Bürgerstiftung Stuttgart mit der erstmaligen Vergabe der Bürgermedaille an ein Unternehmen. Die Porsche AG wurde für ihr langjähriges und vielfältiges Engagement für das Ehrenamt sowie für die enge Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Stuttgart ausgezeichnet. Die Ehrung unterstreicht, welche Rolle Unternehmen spielen können, wenn gesellschaftliche Verantwortung aktiv übernommen wird. Symbolträchtig waren auch die Preisfiguren selbst: Die liebevoll gestalteten „Männle“, gefertigt in einer Einrichtung des BHZ, stehen für Individualität, Teilhabe und Wertschätzung – Werte, die sich wie ein roter Faden durch die Arbeit der Stiftung ziehen.

25 Jahre – und der Blick nach vorn

Das Jubiläum der Bürgerstiftung Stuttgart ist kein Rückblick. Es ist eine Einladung, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeit ist, setzt die Stiftung auf Beteiligung, Dialog und langfristiges Engagement.

Nach 25 Jahren ist klar: Die Bürgerstiftung Stuttgart ist eine Plattform für Menschen, die ihre Stadt aktiv mitgestalten wollen. Sie macht sichtbar, was oft im Stillen geschieht, und gibt dem Ehrenamt die Anerkennung, die es verdient. Stuttgart profitiert davon. Heute ebenso wie in Zukunft.

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