Ein Statement für Sichtbarkeit und Respekt
Auch in diesem Jahr zeigte sich erneut, warum der Weihnachtsball der AIDS-Hilfe zu den prägenden gesellschaftlichen Ereignissen der Stadt zählt. Der Abend verbindet seit zehn Jahren Eleganz mit Haltung – und feierte 2025 zugleich das 40-jährige Bestehen der AIDS-Hilfe Stuttgart e. V. Ein doppeltes Jubiläum, das eindrucksvoll verdeutlichte, wie fest dieser Ball inzwischen in der Stadtgesellschaft verankert ist.


Das Leitmotiv des Abends vereint roten Teppich mit der roten Schleife, dem internationalen Symbol für Solidarität mit Menschen, die mit HIV leben. Elegante Outfits, eine vielfältige Gästeschar und ein offener, herzlicher Umgang prägten das Bild – doch der wahre Glanz lag in der Botschaft: Solidarität muss sichtbar sein.
Viele Gäste begleiten die Arbeit der AIDS-Hilfe seit Jahrzehnten. Sie stehen für eine Entwicklung, die Hoffnung macht: HIV ist heute gut behandelbar, doch Stigmatisierung bleibt ein Thema, das Aufmerksamkeit und klare Haltung erfordert. Genau dafür schafft dieser Ball Raum. Er verbindet Generationen, fördert Austausch und stärkt ein gesellschaftliches Miteinander, das weit über den Abend hinauswirkt.
Ein Oberbürgermeister, der Zeichen setzt
Schirmherr des Abends war Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, der gemeinsam mit seiner Frau Gudrun den Eröffnungstanz übernahm. Sein Bekenntnis zur roten Schleife formulierte er unmissverständlich: „Ich zeige Schleife, weil Menschen mit HIV Fairness, Respekt und Unterstützung verdienen.“ Ein Statement, das im Einklang mit der Grundhaltung des Balls steht und dem Abend politische Strahlkraft verleiht.
Botschafter*innen, die dem Anlass Öffentlichkeit schenken
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten die Botschafter*innen, die den Ball bereits im Vorfeld durch eine von Maks Richter fotografierte Portraitkampagne begleitet hatten: „Dieter“ Thomas Kuhn, Kirsi Fee Wilhelm, Eric Gauthier, Ahmed Mnissi, DJane Alegra Cole sowie Laura Halding-Hoppenheit. Mit klaren Statements zu Sichtbarkeit, Respekt und Solidarität trugen sie maßgeblich dazu bei, dem Anlass stadtweite Öffentlichkeit zu verschaffen. Ahmed Mnissi sprach am Galaabend offen über die Bedeutung von Aufklärung, Prävention und den Umgang mit Diskriminierung. Laura Halding-Hoppenheit erinnerte mit ihrer unverwechselbaren Art daran, dass kein Mensch auf ein Virus reduziert werden darf. Ein Appell, der im Saal spürbare Resonanz fand. Besonderer Dank zollten das Geschäftsführerduo der AIDS-Hilfe Stuttgart e. V., Felix Mohrs und Bernd Skobowski, Shirin Ramsaier und Kamran Ehsani. Shirin Ramsaier verantwortet die Organisation des Balls und ihr außergewöhnlicher Einsatz macht dieses Ereignis Jahr für Jahr erst möglich. Moderiert wurde der Abend gewohnt charmant von Moderator und Sänger Jürgen Hörig.
Kunst, die berührt – ein Programm mit internationaler Strahlkraft
Seit Jahren gilt das künstlerische Programm des Balls als sein Herzstück. Auch 2025 zeigte es eindrucksvoll, warum dieser Abend in Stuttgart einzigartig ist. Ein emotionaler Höhepunkt war der Auftritt des international gefeierten Countertenors Nils Wanderer, dessen besondere Stimmfarbe die Reithalle mit einer fast magischen Intensität erfüllte.
Gauthier Dance präsentierte zwei kraftvolle Pas de Deux, die zwischen Emotionalität und technischer Präzision changierten. Eric Gauthier selbst brachte mit zwei humorvollen Mitmachmomenten das Publikum in Bewegung – Momente, die den Saal auf besondere Weise vereinten.
Das Friedrichsbau Varieté begeisterte mit einer glamourösen Hommage an die 20er Jahre sowie einer spektakulären Rola-Rola-Performance, die Staunen und Begeisterung gleichermaßen auslöste. Die Show „Größenwahn“ läuft noch bis Anfang März. Im weiteren Verlauf verwandelte die Liveband Boombox die Reithalle in eine pulsierende Tanzfläche. Gegen Mitternacht sorgte Sänger Damiano Maiolini mit seiner energiegeladenen Performance für ausgelassene Stimmung, bevor DJane Alegra Cole die Aftershow eröffnete und den Abend in eine glitzernde Partynacht überführte.
Ein Abend für Lebensfreude – und für Verantwortung
So festlich die Kulisse, so ernst bleibt der Hintergrund: Die Zahl der HIV-Diagnosen steigt bundesweit wieder an, während Präventions- und Beratungsangebote unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Gerade deshalb ist dieser Abend so wichtig. Der Erlös des Balls fließt vollständig in die Arbeit der AIDS-Hilfe Stuttgart, in Beratung, Testangebote, Prävention, sexuelle Gesundheitsbildung und den unermüdlichen Einsatz gegen Diskriminierung. Vier Jahrzehnte Engagement, getragen von Haupt- und Ehrenamtlichen, die täglich daran arbeiten, Menschen zu stärken. Glamourös, politisch, laut und zutiefst menschlich der Weihnachtsball der AIDS-Hilfe vereint all dies auf besondere Weise. Er zeigt, wie eng Kunst, Kultur, Gemeinschaft und Verantwortung miteinander verwoben sein können.
Ein Ereignis, das bleibt, weit über diese eine Nacht hinaus.
Fotos: Georg Strohbücker
